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Grüne Wüsten

Die Grüne Wüste

Eben habe ich mit Uli Ide, unserem in Brasilien arbeitenden Beauftragten für die Entwicklung ländlicher Gemeinschaften telefoniert. Wir kamen dabei auf das Problem der Eukalyptus-Monokulturen in unseren Projektgebieten in Minas Gerais und Bahia zu sprechen. Immer mehr Kulturland der Kleinbauern und traditionellen Bevölkerungsgruppen müsse Eukalyptusmonokulturen weichen, meinte Uli. Schliesslich wolle die Regierung das gesetzte Ziel von insgesamt 12 Millionen Hektaren Eukalyptus-Plantagen erreichen…

 

Eukalyptus. Bei dem Wort denke ich ja – gerade jetzt, da ich mir wieder einmal eine Erkältung eingefangen habe – an Hustenbonbons. Weit verfehlt. Die Eukalypten werden keineswegs zu Bonbons verarbeitet. Aus Eukalyptusbäumen wird Holzkohle für die Stahlindustrie gewonnen. Für Brasilien wirtschaftlich weitaus bedeutender aber sind die Produktion und der Export von Eukalyptus-Zellstoff. Dieser wird dann vor allem für die Produktion von Toilettenpapier, Papiertaschentüchern oder Windeln eingesetzt, weil er die Produkte besonders flauschig mache. Na ja, gegen flauschige Taschentücher habe ich bei einer Erkältung im Grunde auch nichts einzuwenden.

 

Ich habe mich dann im Netz einmal ein bisschen zu dem Thema Eukalyptus-Zellstoff umgeschaut. Brasilien scheint da ein richtig grosser Player zu sein. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Land zum bedeutendsten Produzenten von Kurzfaserzellstoff aus Eukalyptusholz entwickelt. Eine aktuelle Präsentation der „Brazilian Pulp and Paper Association“ zeigt das Ausmass der Papier- und Zellstoffproduktion in Brasilien. Der grösste Player im brasilianischen Eukalyptussektor ist das brasilianische Unternehmen Fibria. Fibria allein bewirtschaftet heute in sechs brasilianischen Bundesstaaten 1.3 Mio. Hektaren Eukalyptus-Plantagen, produziert jährlich an die 6 Mio. Tonnen Zellstoff und hochwertiges Papier und besetzt damit allein bereits 37% der weltweiten Eukalyptus-Zellstoff-Produktion…

 

Interessant. Waren doch bis vor wenigen Jahren die Verbraucherstaaten von Toilettenpapier und Co. (v.a. Europa und USA) auch die Produktionsstaaten von Zellstoffmasse, so wird heute mehr und mehr in den Ländern des Südens erzeugt.

 

Der Eukalyptus-Boom passt ins brasilianische Gesamtbild. Die Agrarpolitik Lulas ist schon seit Längerem streng auf Modernisierungskurs. Und auch Lulas Nachfolgerin Dilma Rousseff hat nicht vor, von Lulas Kurs abzuweichen. Um den Energie- und Rohstoffhunger des Nordens zu befriedigen, setzt Brasilien auf ein Agrarexportmodell, das Agrarindustrie und grossflächigen Anbau begünstigt. Neben Eukalyptus expandierte auch der Anbau von Zuckerrohr und Ölpalmen (für die Agrotreibstoffproduktion) sowie von Soja (Futtermittel). Von den „grünen Wüsten“, wie die Eukalyptus-Monokulturen genannt werden, hörte man bis jetzt nur viel weniger.

Deshalb werde ich dem Thema jetzt einmal etwas nachgehen… mehr dazu also im nächsten Blog.

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