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Impressionen aus Kingston

Die Welt ist in Jamaica angekommen: Man sieht die unterschiedlichsten Kleidungen, Farben, Religionen, viele Sprachen – der Turm zu Babel…  Und alle haben wir etwas gemeinsam: wir wollen Frieden! Die Eröffnungszeremonie war bewegend, mit Liedern aus Afrika, Zeugnissen aus Lateinamerika, und Rufen nach einem gerechten Frieden. Doch jetzt beginnt die Arbeit.

Die Arbeitstage an diesem grossen Event haben jeweils drei Teile: Gebet und biblische Reflexionen, Expertenvorträge zu einem Tagesthema und am Nachmittag die Workshops (jeweils bis zu vierzig Themen stehen zu Auswahl). Auch wenn wir Teilnehmende aus der ganzen Welt sind, gibt es gemeinsame und konstante Themen:

Es ist zum Beispiel die Landfrage, sei es aufgrund von klimatischen Veränderungen oder aufgrund von Megaprojekten ausländischer Investoren. In allen Regionen besteht zudem die Dringlichkeit, mit und für die jungen Menschen zu arbeiten. Ein wichtiges Thema sind natürlich auch die  Menschenrechte: sei es der Einsatz für die afrikanisch-stämmige Bevölkerung, für die Dalits aus Indien, für indigene Völker aus der ganzen Welt, weiter das Thema Rassismus, die Stellung der Frau etc.
Dann gibt es überall auch das Problem, dass indigene Gemeinschaften, die gelernt haben, in Harmonie mit der Natur und deren Reichtum zu leben, durch die Habgier des Kapitalismus bedroht werden, der die Natur um jeden Preis ausbeutet.

Wir bleiben in Kontakt…..

Intermezzo: Besuch aus Brasilien

Heute Nachmittag hatten wir Besuch von einer Delegation aus Brasilien, die in der HEKS-Zentrale in Zürich zum Info-Lunch vorbeikam. Die Lust an meinem Sandwich verging mir jedoch bald, als die Delegationsmitglieder - bestehend aus Vertretern unserer Partnerorganisation FIAN Brasilien, des Katholischen Indianermissionsrates CIMI und der Guarani Kaiowá Indianer - zu berichten begannen. Zwar handelt es sich in ihrem Fall um eine andere Projektregion und um eine andere «grüne Wüste», aber natürlich zog ich in Gedanken immer die Parallelen zum Eukalyptus:

 

In den letzten drei Jahren fand im Bundesstaat Matto Grosso del Sul eine starke Expansion des Zuckerrohranbaus für die Produktion von Agrotreibstoffen statt. Elf Ethanol-Fabriken sind bereits in Betrieb und weitere 43 sind geplant.

 

Das indigene Volk der dort ansässigen Guarani Kaiowá lebt heute umzingelt von Grossgrundbesitzern, die auf riesigen Flächen Zuckerrohr für die Ethanol-Produktion anbauen. Eine der wenigen Arbeitsmöglichkeiten, die für die Indigenen noch besteht, ist die Arbeit in den Zuckerrohrfeldern und Ethanolfabriken. Die Arbeitsbedingungen dort sind oft sehr schlecht, ja sklavenähnlich. Die Kindersterblichkeitsrate im Volk der Guarani ist hoch und viele Kinder leiden an Unterernährung. Die Zahl von jungen Menschen, die Suizid begehen, ist auffallend hoch…

 

Bereits in der Verfassung von 1988 wurde das traditionelle Land der Guarani in Matto Grosso del Sul identifiziert und registriert; juristisch gesehen hätten sie also ein Recht darauf. Der Prozess der Landdemarkation ist aber noch immer nicht vollzogen. Dies geht soweit, dass viele Guarani-Führer, die sich im Landkampf einsetzen, verhaftet wurden und staatlichen Verantwortlichen gar der Zugang zum zu demarkierenden Land von Grossgrundbesitzern verweigert wird. Die wirtschaftlichen Interessen an der Ethanol-Produktion sind zu gross und der politische Wille der lokalen Regierung, in die Landkonflikte einzugreifen und die Rechte der Guarani zu schützen, ist zu klein. Was die Regierung aber tut: Sie liefert Nahrungsmittelkörbe in die Dörfer, die durch die Zuckerrohrplantagen eingekesselt wurden und all ihre Produktionsgrundlagen verloren haben!

 

Im März 2010 legte Survival International dem UN-Ausschuss für die Beseitigung von Rassendiskriminierung einen ausführlichen Bericht über die besorgniserregende Situation der Guarani Kaiowá in Matto Grosso del Sul vor.

 

Agrotreibstoffe – unter anderem aus brasilianischem Zuckerrohr – werden heute als «grüne» Energie und zukunftsweisende Lösung angepriesen. Agrotreibstoffe sind jedoch kein geeigneter Ersatz für Benzin, wenn ihre Gewinnung zur Vertreibung von Indigenen und Bauernfamilien oder zum Abbrennen tropischer Wälder führt. Als Mitglied der Plattform für Agrotreibstoffe setzt sich HEKS mit einer Petition dafür ein, dass in der Schweiz strenge Zulassungskriterien für Agrotreibstoffe erlassen werden, um den Import sozial und ökologisch problematischer Agrotreibstoffe (wie etwa Ethanol aus Matto Grosso del Sul) in Zukunft zu unterbinden.

 

Foto: Roosewelt Pinheiro/ABr

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