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Bericht aus Kolumbien: Wiederaufbauhilfe nach dem Regen

In meinem ersten Blog aus Tibú habe ich von den schweren Überschwemmungen berichtet, die im Dezember in ganz Kolumbien zu grossen Schäden geführt haben. Von den Familien, die HEKS in der Region Tibú unterstützt, war etwa die Hälfte schwer betroffen.

 

Für die Bäuerinnen und Bauern, die HEKS-MitarbeiterInnen und ganz allgemein die Projektziele waren diese feuchten Ereignisse ein schwerer Rückschlag! Dort wo anfangs Dezember noch erntereife Maisstengel und Yuccapflanzen (in Afrika auch Maniok genannt) in den Himmel ragten und reich behangene Bananenpalmen standen, befindet sich heute eine Art Sandwüste mit umgeknickten Pflanzenresten. Frustrierend! Der Fluss hat tonnenweise Sand und stinkenden Schlamm und Abfall gebracht, was die Bewirtschaftung dieser Flächen nun sehr schwierig und mühselig macht. In der Folge verfaulten beispielsweise die erntereifen Yuccawurzeln in der Feuchte, ohne Sauerstoff unter dem tonnenschweren Sand! Zudem konnte das Gras auf den Feldern nicht mehr wachsen bzw. es begann sogar zu faulen, was zu einem Nahrungsausfall und zu starker Abmagerung der Viehherden führte.

 

Vor den Unwettern

Nach den Unwettern

 

Nun geht es darum wieder anzufangen, was viel Kraft und Zuversicht braucht! Es müssen erneut tausende Stunden harte Arbeit bei zum Teil brütender Hitze investiert werden, damit auf diesen Feldern wieder nutzbare Pflanzen wachsen. Dies geschieht im Wissen, dass die letzten tausend Stunden sich nicht bezahlt gemacht haben, denn die Wassermassen haben alles weggeschwemmt, gerade vor der Ernte – und dies kann wieder passieren, jederzeit!

HEKS wird nun diese betroffenen Familien begleiten und beraten. Dies beinhaltet, dass überlegt wird, wie und wo eine «sicherere» Produktion stattfinden kann. Die Bauern hier wurden im 2010 nicht nur einmal schwer getroffen, denn sie haben im Januar und Februar des gleichen Jahres eine schwere Dürre erlebt: Viele Pflanzen sind verdorrt und einige Stück Vieh sind verhungert, da kein Graswachstum mehr stattfand! HEKS hat nun 48'000 Franken für Starthilfe und den Wiederaufbau gesprochen. Gleichzeitig werden auch die drei Hauptlinien der HEKS-Projekte in der Region Tibú/Catatumbo weitergeführt: 1) Ernährungssicherheit - Produktion von eigenen Nahrungsmittel in einem Hausgarten 2) Vivienda Saludable - Verbesserung der Wohnsituation 3) Gemeinschaftsorganisation - Gemeinsam schafft mensch mehr!

Ich werde noch bis Ende April vor Ort sein und die HEKS-Familien tatkräftig bei ihrem Wiederaufbau begleiten.

Bericht aus Kolumbien: Soforthilfe nach dem Regen

Zivildiensteinsatz in Kolumbien

Mein Name ist Isla Haemmerle, ich bin Bio-Landwirt und Psychologe und mache einen sechsmonatigen Zivildiensteinsatz für HEKS in Kolumbien. Ich befinde mich in Tibú, einem Städtchen mit ca. 40'000 EinwohnerInnen auf 75 M.ü.M. Dieses befindet sich im Departement Norte de Santander, nur ein paar Kilometer von der venezolanischen Grenze entfernt. Hier arbeite ich Hand in Hand mit der Dioszöse von Tibú und mit den zwei von HEKS angestellten einheimischen Mitarbeitern in Landwirtschafts- und Umweltbildungsprojekten. Der Fokus liegt auf Themen wie Ernährungssicherheit, Düngerproduktion, Gemeinschaftsorganisation und Widerstand gegen die verheerenden Ölpalmenplantagen (Weitere Informationen). Weitere Informationen zu den HEKS-Projekten in Kolumbien finden Sie in unserer Projektdatenbank.

Mein Einsatz hat im Oktober 2010 begonnen und wurde von Anfang an von eher schwierigen Ereignissen begleitet: Im November wurde eine Brücke der wichtigsten Verkehrsachse und ein Strommast der Hauptstromleitung zerstört. Der Anschlag könnte durch FARC-Rebellen ausgeführt worden sein, vielleicht waren es jedoch auch Leute aus dem Ort, die das Geschäft ankurbeln und den Ölpalmenproduzenten schaden wollten. Diese Ereignisse bescherten der Bevölkerung drei Tage ohne Strom und eine starke Verteuerung der Lebensmittelpreise, da fast alles von ausserhalb hergebracht wird. Und dies gerade in der Vorweihnachtszeit!


Der grosse Regen


Im Dezember gingen hier in der Region, wie auch in fast ganz Kolumbien, starke Regenfälle nieder. Der schwere und zum Teil stark verdichtete Boden konnte die aussergewöhnlich grossen Wassermassen nicht aufnehmen und leitete diese oberflächlich schnell ab, was zu schweren Überschwemmungen führte. Es wird gesagt, dass es seit Jahrzehnten nicht mehr so geregnet habe und dass Kolumbien noch nie so grossflächig überschwemmt wurde!



Die Region von Tibú wurde im Verhältnis nicht so schlimm getroffen wie andere in Kolumbien - so habe ich in der Stadt nicht mehr als ein paar heftige Regentage erlebt. Auf dem Land hingegen gab es beträchtliche Schäden, vielleicht nicht bezüglich der Gesamtsumme, aber für jede einzelne Familie ist es viel, ein Totalverlust! Von den circa 100 von HEKS unterstützten Familien sind ungefähr die Hälfte betroffen: Es standen ganze Landstriche tagelang unter Wasser! Die Bevölkerung des Dorfes La Rochela blieb über mehrere Wochen hinweg evakuiert, da ein Leben dort nicht mehr möglich war - und auch bei meinem letzten Besuch vor zwei Wochen waren dort noch viele Pfützen in der Landschaft vorhanden, denn das Wasser kann bei diesem schweren und verdichteten Boden nicht abfliessen! Zudem sind die Strassen hier schlecht konzipiert und darum sehr anfällig für Erosion und Schlammlawinen, was den Transport von Gütern erschwerte und somit die Preise steigen liess – und die Familien, die schon wenig haben müssen noch mehr bezahlen um zu (über-)leben!

HEKS hat Soforthilfe an die schwerst betroffenen Familien geleistet. Am 23. und 24. Dezember haben wir in einer «Weihnachtsaktion» für 2'000'000 Pesos (entspricht circa 1'000 CHF) Grundnahrungsmittel verteilt: Reis, Zucker, Öl, Bohnen, Mehl und Salz. Die Menschen selber sind sehr bescheiden und möchten möglichst mit eigener Kraft wieder «aufstehen»? Sie wünschen nur, dass die Raten und Zinsen ihrer Kredite (Fondo rotatorio) für die nächsten Monate, bis wieder eine Ernte eingebracht werden kann, aufgeschoben werden.

Nächste Woche werde ich in einem weiteren Blog über die längerfristige Wiederaufhilfe von HEKS berichten.

Eine Katastrophe – doch sie verlieren ihre Hoffnung nicht

Die Bilder im Kopf wirst du nicht mehr los. Ein früheres Wohnviertel – flachgelegt. Die Strassenränder – riesige Abfallhalden. Die ehemaligen Häuser – ungeordnete Scheiterbeigen aus Brettern, Nägeln, Blech. Der Geruch – pardon, aber es stinkt. Die Menschen suchen im Dreck nach Material, das sie noch verwerten könnten. Als sie uns sehen – was tun sie? Sie lachen. LACHEN in diesem Elend. „Ach die Pinoys“, seufzt Daphne, selber Filipina, die uns durch ein von Taifun Ketsana zerstörtes Manila-Stadtviertel begleitet, „wir Pinoys können einfach nicht ernst bleiben, wenn wir eine Kamera sehen. Nicht einmal bei einer Beerdigung. Die Pressefotografen verzweifeln. Nirgends traurige Gesichter! Wie sollen sie da bewegend Katastrophenbilder machen?“

Das war vor einem Jahr. Damals hat der Taifun Ketsana in der Mega-Metropole Manila der Philippinen gewütet. Ein paar Wochen später raste Taifun Parma durch die Nordinsel Luzon. Als wir wenige Wochen darauf in Benguet oben in den Bergen die Schäden besichtigen, bekommen wir eine Ahnung von der Wucht des Windes. Die Berghänge – zerkratzt wie von einem Riesenkamm. Die Gemüsefelder – beerdigt unter Felsbrocken. Die Menschen – genau, sie lachen. Und jetzt im Oktober 2010 also Taifun Megi. Der stärkste Taifun seit Jahrzehnten auf den Philippinen. Selbst Rey, unser HEKS-Nothilfespezialist vor Ort, Typ trockener Analytiker, also sogar Rey hat‘s bei seinen Abklärungsmissionen in den Provinzen Isabela und Cagayan durchgeschüttelt. „So vieles ist kaputt. Die Reis- und Maisfelder zerstört! Und das kurz vor der Erntezeit. Den älteren Menschen und Kindern geht’s schlecht. Sie hocken unter Plastikplanen, alles ist feucht und schlammig, es regnet und regnet, und weitere Taifune sind vorausgesagt.“


Als Rey beschreibt, tauchen die Bilder von Ketsana und Parma wieder auf. Aber Mitleid nützt jetzt gar nichts. HEKS hat mit Unterstützung der Glückskette Nothilfe für die Opfer von Ketsana und Parma geleistet, und wir helfen auch den Opfern von Megi. Aber für Nothilfe brauchst du keine Tränen, sondern Fakten, Daten, Zahlen: bevor Nahrungsmittel verteilt, Medikamente abgegeben oder Häuser repariert werden können, müssen wir wissen, was genau zerstört ist, wie weit sich die Menschen selber helfen können, wer sonst noch Hilfe anbietet in der Region, was das wirksamste Mittel ist, den Menschen schnell auf eigene Beine zu verhelfen. Das alles und noch mehr notiert Rey auf seiner Abklärungsmission. Ein Buchhalter des Elends. Aber seine nüchternen Angaben sind wirksamer als rührende Einzelschicksale. Denn die Fakten sind der erste Baustein für die Wiederaufbauhilfe, die HEKS nun leistet. Häuser für 3500 Familien mit etwa 18‘000 Menschen werden repariert, wieder aufgebaut oder überhaupt neu gebaut.


Hilfe wirkt. Die Unterstützung der Ketsana-Opfer konnte im August 2010 beendet werden. Die Menschen haben wieder Fuss gefasst. Sie haben die verstopften Abwasserkanäle geputzt, die Abfallberge abgetragen, und die abgerutschten Flussufer stabilisiert. Für diese Arbeiten haben sie vom HEKS-Projekt Geld bekommen, und mit dem Geld haben sie ihre Häuser geflickt. Einige Männer und Frauen haben sich zusammengeschlossen und gelernt, wie sie aus Abfallmaterial Taschen (so eine Art Freitags-Taschen) nähen und verkaufen können. Andere stellen Kompost, ökologisches Brennmaterial und leichte Boote her. Damit verdienen sie sich ihr Einkommen. Alles ist wieder normal – fast alles. Denn die Bilder im Kopf der durchlebten Katastrophe werden auch sie nicht mehr los. Und was Megi betrifft: Wir bleiben dran!

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