Mehr als eine Geiss. Eine Zukunft
Hilfe zur Selbsthilfe für die kolumbianische Landbevölkerung
Ein zermürbender Landkampf und die Ausbreitung von Monokulturen bedrohen die Existenz der ländlichen Bevölkerung Nordkolumbiens. Das HEKS unterstützt 95 Familien mit einer Starthilfe in Form von Saatgut, einem Stück Land oder Vieh für die Kleintierzucht. An der HEKS-Standaktion «Gib e Geiss» können Interessierte nachvollziehen, wie zum Beispiel eine Geiss einer Familie und einem ganzen Dorf zu einem besseren Leben verhilft.
Magali León Rodruigez lebt mit ihrer Mutter, ihrem Mann und den zwei jüngsten ihrer sechs Kinder auf einer kleinen Finca im Nordwesten Kolumbiens. Die Familie ist vor sechs Jahren hierhin geflüchtet, weil der Alltag in ihrer alten Wohngegend von Gewalt und Bedrohung geprägt war.
Die Hütte von Magali und ihren Angehörigen ist alt und undicht. Das Land, von dem sie sich weitgehend selbst ernähren, gehört ihnen nicht. Mit diesen Problemen steht die Familie nicht alleine da: In der Gegend von Tibù herrscht seit vielen Jahren ein erbitterter Kampf um die Rechte der Landnutzung, worunter die ländliche Zivilbevölkerung schwer zu leiden hat. Millionen Menschen wurden während des Konflikts aus ihrem Dorf in die umliegenden Städte vertrieben. Inzwischen sind viele zurückgekehrt, doch die ungeklärten Landrechte machen den Aufbau einer sicheren Existenz schier unmöglich. Zusätzlich ist als Folge des Anbaus grosser Monokulturen wie beispielsweise Ölpalm-Plantagen die Nahrungsmittelproduktion für den täglichen Bedarf rückläufig.
Geissen als Starthilfe für ein besseres Leben
HEKS engagiert sich seit 2006 in Tibù, wo es die ländliche Bevölkerung beim Landkampf unterstützt. Magali, ihr Mann und ihre Kinder sind eine von 95 begünstigten Familien, an deren Beispiel HEKS aufzeigen möchte, dass die ökologische, kleinbäuerliche Landwirtschaft eine echte Alternative zu den Monokulturen darstellt. In Zusammenarbeit mit der HEKS-Partnerorganisation Diözese Tibù und unter Begleitung eines Teams aus AgronomInnen lernen die Familien den Anbau der wichtigsten Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais oder Yuca für den Eigenbedarf oder zum Verkauf auf dem Markt.
Jede Familie bekommt von HEKS eine Starthilfe in Form von Saatgut, einem Stück Land, einem Schwein, einem Kälblein oder Legehennen für die Eierproduktion. Magali hat fünf Camuros erhalten – eine für die Umgebung typische Kreuzung zwischen Schaf und Ziege. Ihr Sohn David kümmert sich oft um die Tiere, er füttert sie und hält sie sauber. Ihr Mist ist ein wertvoller Dünger für den Gemüsegarten und die Futterpflanzen. Die Geissenmilch macht die Kinder satt und wird, zu Käse verarbeitet, auf dem Markt verkauft. Vom Erlös kann Magali Reis, Zucker, Öl oder Medikamente kaufen und Strom, Wasser sowie die Schulkosten der Kinder bezahlen. Die Familie hofft zudem, auch bald ihr leckes Hausdach reparieren zu können.
Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft
Der Leitgedanke hinter dieser Starthilfe ist ihre nachhaltige und übergreifende Wirkung: Wenn die Geissen Junge haben, wird Magali vier Geisslein und einen Bock an eine andere Familie weitergeben, der die Tiere wiederum als Starthilfe für ein besseres Leben dienen. Ziel des Rotationsprojekts ist die Selbstversorgung aller 95 begünstigten Familien.
Am diesjährigen Aktionsstand «Gib e Geiss» von HEKS können BesucherInnen diesen Kreislauf nachvollziehen und mit Hilfe einer Maschine selbst in Bewegung setzen. Es ist bereits das fünfte Jahr, in dem HEKS in diesem Rahmen über Hunger und Armut in den Ländern des Südens und Ostens informiert. Für 30 Franken, soviel kostet eine Geiss etwa in der Sahelzone, kann die Schweizer Bevölkerung symbolisch eine Geiss spenden. Das Geld fliesst in einen Fonds zur Unterstützung von Kleinprojekten in den armen Ländern des Südens und Ostens. Dank dieser Starthilfe können die Begünstigten eine wirtschaftliche Tätigkeit im Kleinen aufbauen, ihr Einkommen verbessern und ein eigenständiges und würdiges Leben führen. Für eine Familie wie die von Magali bedeutet diese Spende mehr als eine Geiss – sie ist ein Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft.

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