Breite Unterstützung für die Kampagne «Kein Kind ist illegal»
Vor knapp einem Jahr stimmte der Ständerat einer Motion zu, die jugendlichen Sans-Papiers den Zugang zu einer Berufslehre ermöglichen soll. Es liegt nun am Bundesrat, eine Lösung auszuarbeiten. Die erfolgreiche Advocacy- und Lobbyarbeit der Kampagne «Kein Kind ist illegal» hat seitdem viel Unterstützung erhalten. Eine neue Broschüre für Lehrpersonen und Schulbehörden gibt Empfehlungen, wie die Situation von Sans-Papiers-Kindern im Schulalltag konkret verbessert werden kann.
Die von HEKS unterstützte Kinderrechtskampagne «Kein Kind ist illegal» forderte die Umsetzung des Rechts auf Bildung auch für Kinder und Jugendliche ohne geregelten Aufenthalt und erhielt dabei breite Unterstützung. So plädieren der Schweizerische Städteverband und die Städteinitiative Sozialpolitik in einer Stellungnahme für eine einheitliche bundesrechtliche Lösung, den Zugang zur Berufsbildung für jugendliche Sans-Papiers zu ermöglichen. Die Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen EKM empfiehlt dem Bund, die Voraussetzungen zu schaffen, damit jugendliche Sans-Papiers, die in der Schweiz geboren sind oder hier mindestens fünf Jahre obligatorische Schulzeit absolviert haben, im Hinblick auf eine Berufslehre oder eine andere Ausbildung auf Sekundarstufe II ein eigenständiges Aufenthaltsrecht beantragen können. In einer jüngst erschienenen nationalen Umfrage des Lausanner Forschungsinstitutes M.I.S zur demografischen Zukunft der Schweiz sprachen sich deutlich über 70 Prozent der Befragten für den Zugang dieser Jugendlichen zur Berufslehre und für eine Legalisierung nach der Ausbildung aus. Fast in allen Parteien ist man sich einig, dass es auch im Interesse der Schweiz ist, gut integrierten jugendlichen Sans-Papiers eine Berufsausbildung zu ermöglichen und ihnen damit den Weg ins Erwerbsleben zu erleichtern.
Neue Broschüre für Lehrpersonen und Schulbehörden
Auch wenn sich in der öffentlichen Meinung eine Verbesserung abzeichnet, besteht gerade bei den Sans-Papiers-Kindern und -Jugendlichen nach wie vor grosser Handlungsbedarf. Die Angst vor dem Entdeckt- und Ausgewiesenwerden bestimmt ihren Lebensalltag. Die geschätzten 10 000 Kinder leben möglichst unsichtbar, unauffällig und verbringen ihre Freizeit oft allein. Die Schule ist für diese Kinder vielfach der einzige Ort, an dem sie ein Stück Normalität leben können. Hier sind sie mit Gleichaltrigen zusammen, lernen, spielen und können sich Wissen und soziale Fähigkeiten aneignen. In diesem Kontext kann die Schule für sie einen Schutz- und Freiraum darstellen, der für ihre persönliche Entwicklung von immenser Bedeutung ist. Der Verein «Für die Rechte illegalisierter Kinder» und der VPOD haben deshalb eine Broschüre erarbeitet. Diese informiert über die rechtliche und soziale Lage dieser Kinder und formuliert Handlungsempfehlungen für Schulbehörden und Lehrpersonen. Sie zeigt auf, wie das Recht auf Bildung gewährleistet werden kann und was es in heiklen Situationen zu beachten gilt. Am 4. Juli wurde diese Broschüre an einer Medienkonferenz im Bundeshaus vorgestellt.



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