25 Jahre Max Havelaar: Mehr als nur Kaffee und Bananen

1992 gründeten HEKS, Brot für alle, Caritas, Fastenopfer, Helvetas und Swissaid die Stiftung Max Havelaar, um Produzenten und Arbeiterinnen im Süden ein faires Einkommen zu ermöglichen. Heute ist Max Havelaar Teil eines weltweiten Fairtrade-Systems, von dem über 1,6 Millionen Menschen in 75 Ländern profitieren.

 

Text: Olivier Schmid

 
Anfang der 1990er-Jahre lag der Preis für Kaffee auf dem Weltmarkt auf einem historischen Tiefpunkt. Die Kleinproduzenten im Süden konnten immer weniger von ihrer Arbeit leben. Mit dem Ziel, ihnen ein besseres Einkommen zu ermöglichen, gründeten die sechs Stifterwerke nach dem Vorbild der gleichnamigen holländischen Gütesiegelinitiative auch in der Schweiz eine Max-Havelaar-Stiftung – mit Erfolg: Die Schweizer Detailhändler Migros, Coop und Volg nahmen den fair gehandelten Kaffee mit dem Max-Havelaar-Label in ihr Sortiment auf. Mit Honig, Rohrzucker, Schokolade und Tee folgten weitere Fairtrade-Produkte fast im Jahrestakt. Mittlerweile bieten in der Schweiz rund 250 Lizenznehmer über 2800 Produkte mit dem Max-Havelaar-Logo an, darunter auch Non-Food-Produkte wie Blumen oder Sportbälle sowie Produkte aus Baumwolle oder Gold.
Blumenarbeiterin in Ecuador
Sean Garrison

Wirtschaftliche Sicherheit

Gleichzeitig wie in der Schweiz entstanden auch in vielen anderen europäischen Ländern nationale Fairtrade-Initiativen. Um ihre Aktivitäten zu koordinieren, gründeten dreizehn von ihnen 1997 einen Dachverband. Inzwischen vereint «Fairtrade International» 25 nationale Fairtrade-Organisationen sowie drei kontinentale Produzentennetzwerke, die rund 1240 Produzentengruppen in Afrika, Asien und Lateinamerika mit insgesamt über 1,6 Millionen Menschen vertreten. 88 Prozent von ihnen sind Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, der Rest Angestellte, etwa Teepflücker auf Plantagen, Näherinnen in Werkstätten oder Arbeiter im kleingewerblichen Bergbau. Sie alle sind in Kleinbauernkooperativen oder Arbeitergremien organisiert.

Die nationalen Fairtrade-Organisationen im Norden und die Produzentennetzwerke im Süden entscheiden mit je 50 Prozent Stimmanteil über die strategische Ausrichtung von «Fairtrade International» und die Entwicklung der Fairtrade-Standards. Die unabhängige internationale Zertifizierungsstelle FLOCERT überprüft regelmässig die Einhaltung der Standards. Die Fairtrade-Standards beschreiben die Anforderungen, welche die Produzentengruppen, die Händler und die weiterverarbeitenden Betriebe entlang der gesamten Wertschöpfungskette einhalten müssen, damit ein Produkt mit dem Fairtrade-Label ausgezeichnet wird.

Ein zentrales Kriterium ist der Mindestpreis: Dieser hängt von der Produktionsart und Herkunft des Produkts ab und dient den Produzenten als Sicherheitsnetz für den Fall, dass die Weltmarktpreise unter die Kosten einer nachhaltigen Produktion fallen. Er sorgt für stabile Preise und gibt den Produzenten wirtschaftliche Sicherheit. Liegt der Weltmarktpreis über dem festgelegten Mindestpreis, müssen die Abnehmer den Produzenten den höheren Marktpreis bezahlen.

Transparente Handelsbeziehungen

Nebst ökonomischen Kriterien enthalten die Fairtrade-Standards auch soziale und ökologische Anforderungen. Zu den Sozialkriterien gehören etwa geregelte Arbeitsbedingungen oder das Verbot von missbräuchlicher Kinderarbeit, zu den Umweltschutzkriterien die Förderung der nachhaltigen Landwirtschaft oder der Schutz natürlicher Ressourcen. Ziel ist dabei immer die Verbesserung der Lebensbedingungen der Kleinbäuerinnen und Arbeiterinnen.

Produzentengruppen, welche die erforderlichen Standards erfüllen, erhalten die Fairtrade-Zertifizierung. Bei ihrer Weiterentwicklung werden sie von den kontinentalen Produzentennetzwerken mittels Beratungen und Schulungen unterstützt. Ziel ist es, die Kleinbauernkooperativen zu stärken und ihre Produktivität zu erhöhen, um ihre Position auf dem Weltmarkt zu verbessern. Auf den Fairtrade-zertifizierten Bananenplantagen, Blumenfarmen oder in Teegärten profitieren die Beschäftigten von Verträgen und besseren Arbeitsbedingungen, etwa Mutterschaftsurlaub oder bezahlte Überzeit. Bei den Händlern und Herstellern wiederum liegt der Schwerpunkt auf mehr Transparenz, damit die Produzenten eine sichere und gerechte Handelsbeziehung eingehen können.

Investitionen für die Gemeinschaft

Zusätzlich zum garantierten Mindestpreis erhalten die Fairtrade-Produzenten eine Prämie. Die Kooperativen entscheiden selbst, welche Projekte sie mit der Prämie realisieren wollen. Davon profitieren die Kleinbauern, ihre Familien und die ganze Gemeinschaft. Nebst Investitionen zur Steigerung der Produktivität und der Qualität der Produkte wird die Prämie zum Beispiel für die Umstellung auf Bio-Landbau, für den Bau von Trinkwasserbrunnen, Gesundheitszentren oder Schulen oder für die Verbesserung der Wohnsituation eingesetzt.

Zum Interview mit Andreas Jiménez, Geschäftsleiter von Max Havelaar

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