Osteuropa-Tag 2018
Keystone/AP, Pablo Gorondi
20. Januar 2018

Irritierendes zwischen Ost und West

Osteuropa-Tag 2018

Gegenseitige Irritationen zwischen Ost- und Westeuropa haben in den letzten Jahren zugenommen. Dabei glaubte man, dass Ost- und Westeuropa mit dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder dieselben politischen und wirtschaftlichen Werte teilen würden und die Integration vieler osteuropäischer Staaten in die EU und Nato das Gemeinsame stärke. Doch Ost- und Westeuropa nehmen sich regelmässig mit Befremden wahr, wie diverse Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit zeigen.

So weigern sich Ungarn, Tschechien und Polen standhaft, auch nur einen einzigen Flüchtling im Rahmen des europäischen Verteilsystems aufzunehmen. Sie verstehen nicht, dass die westeuropäischen Länder muslimische Flüchtlinge aufnehmen, und verweisen auf ihre bittere Erfahrung mit der türkischen Besatzung. Zudem empfinden sie das Verteilsystem als Diktat des Westens.

In Rumänien musste im Sommer 2015 die regierende sozialdemokratische Partei wegen massiven Korruptionsvorwürfen zurücktreten. Einige Parteikader wurden verurteilt und mussten hinter Gitter. Dennoch wählte das rumänische Volk die Sozialdemokraten ein Jahr später mit grosser Mehrheit wieder in die Regierung – zum Erstaunen des Westens.

Viele Menschen in Osteuropa befremdet es, dass die nationale und christliche Identität in Westeuropa eine derart geringe Rolle spielen. In der Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Religionen sehen sie eine Gefahr für die europäische Kultur. Im Westen dagegen werden die autoritär auftretenden Regierungen als antidemokratisch wahrgenommen und man fragt sich, warum ein Exzentriker wie der Tscheche Miloš Zeman, der sich abfällig über Flüchtlinge, Roma und andere Minderheiten äussert, zum Staatspräsidenten gewählt wird.

Am Osteuropa-Tag geht der Schweizer Osteuropa-Historiker Oliver Jens Schmitt in seinem Referat auf die Gründe der gegenseitigen Irritationen ein. Schmitt lehrt an der Universität Wien und verfolgt die neusten Entwicklungen in Osteuropa aufmerksam. Dabei verurteilt Schmitt die einseitige Anprangerungspolitik des Westens gegenüber Osteuropa: «Es ist besser, in einen qualifizierten Dialog einzutreten, als die starke Ausgrenzungsstrategie weiterzuführen.» Im Anschluss erzählen Bischof Sándor Zán Fábián aus Transkarpatien (West-Ukraine) sowie weitere Gäste aus Osteuropa, wie sie den Westen wahrnehmen und wie Irritationen überwunden werden können.

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Osteuropa-Tag am 20. Januar 2018
Programm

09.15 Uhr: Eintreffen der Teilnehmenden - Kaffee, Tee und Zopf

10.00 Uhr: Begrüssung durch Peter Merz, HEKS-Direktor

10.10 Uhr: Einleitung

10.15 Uhr: Referat von Oliver Jens Schmitt, Schweizer Osteuropa-Historiker an der Universität Wien

11.00 Uhr: Pause

11.20 Uhr: Podium mit Sándor Zán Fábián, Bischof der Reformierten Kirche in Transkarpatien (West-Ukraine) und Oliver Jens Schmitt

12.00 Uhr: Mittagessen

13.15 Uhr: Grussworte des Rats des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und der HEKS-Bereichsleitung Ausland

13.25 Uhr: Vorstellung Workshops, ModeratorInnen und Gäste

13.35 Uhr: Erster Workshop

14.25 Uhr: Pause

14.40 Uhr: Zweiter Workshop

15.30 Uhr: Ende der Veranstaltung

Osteuropa-Tag
Anmeldedetails

Zeit: Samstag, 20. Januar 2018

Ort: Kirchgemeindehaus Schwamendingen, Stettbacherstrasse 58, 8051 Zürich

Sprache: Referate und Workshops: Deutsch oder Englisch mit Übersetzung.

Tagungsbeitrag: CHF 50.– oder 30.– für Pensionierte / Nichtverdienende

Anmeldeschluss: 05. Januar 2018

Tagungssekretariat: Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Yolanga Hug, Tel. 044 360 88 62, E-Mail: yolanda.hug@heks.ch.

Themen der Workshops

1. TRANSKARPATIEN/SCHWEIZ: Christliche und nationale Identität

Die Reformierte Kirche in Transkarpatien ist für die ungarische Minderheit in der West-Ukraine ein wichtiger Bezugspunkt. Bischof Zán Fábián spricht über die schwierige wirtschaftliche und soziale Situation in Transkarpatien und diskutiert mit Oliver Jens Schmitt, warum die christliche und nationale Identität für Transkarpatien wichtig ist und warum diese die Menschen im Westen irritiert.

Gäste: Sándor Zán Fábián, Bischof der Reformierten Kirche in Transkarpatien, West-Ukraine
Oliver Jens Schmitt, Schweizer Osteuropa-Historiker an der Universität Wien
Moderation: Matthias Herren, HEKS-Beauftragter Kirchliche Zusammenarbeit
Sprache: Deutsch

 

2. UNGARN: Integration von Flüchtlingen

Der ungarische Staat verfolgt eine harte Flüchtlingspolitik. Fremdenfeindliche Tendenzen in der Bevölkerung werden zudem in öffentlichen Kampagnen aufgenommen und dadurch verstärkt. Während sich die Leitung der Reformierten Kirche Ungarn mit einer Positionierung schwertut, setzen sich einige ihrer Mitglieder konkret für Flüchtlinge ein. Die Direktorin des Flüchtlingsdienstes der Reformierten Kirche Ungarn, Dóra Kanizsai-Nagy, berichtet über die Herausforderungen, Flüchtlinge in die ungarische Gesellschaft zu integrieren.

Gäste: Dóra Kanizsai-Nagy, Direktorin des Flüchtlingsdienstes der Reformierten Kirche Ungarn
Moderation: Angela Elmiger, HEKS-Programmbeauftragte Osteuropa
Sprache: Deutsch

 

3. REPUBLIK MOLDAU: Europäisches Modell für ländliche Entwicklung

Für die Stärkung der ländlichen Gemeinden in der Republik Moldau sind stabile soziale, politische und wirtschaftliche Strukturen wichtig. HEKS arbeitet mit einem in Europa weitverbreiteten Entwicklungsmodell, um Behörden, lokale Unternehmer und zivilgesellschaftliche Organisationen in lokalen Aktionsgruppen zu mobilisieren und zu fördern. In Osteuropa ist es nicht selbstverständlich, dass solche Gruppen die Entwicklung selbst in die Hand nehmen.

Gäste: Silvia Strelciuc, Direktorin des CONTACT-Cahul Centre im Süden der Republik Moldau
Tatiana Zaloj, langjährige Mitarbeiterin des HEKS-Koordinationsbüros in Chisinau
Moderation: Vincent Hug, HEKS-Programmbeauftragter Republik Moldau
Sprache: Englisch/Deutsch (mit Übersetzung durch die ModeratorInnen)

 

4. RUMÄNIEN: Integration von Menschen mit einer Behinderung

Noch immer werden in Osteuropa Menschen mit einer Behinderung versteckt. Peter Makkai setzt sich mit dem «Irisz Haus» der Diakonia in Sf. Gheorghe seit Jahren für ihre Integration ein. Dass Menschen mit einer Behinderung gleiche Rechte und Chancen haben sollen, irritiert sowohl die rumänische Gesellschaft als auch die reformierte Kirche.

Gäste: Peter Makkai ist Pfarrer und Leiter des Behindertenintegrationsprojektes «Irisz Haus» der Diakonia in Sf. Gheorghe, Rumänien
Moderation: Marc Zoss, HEKS-Programmbeauftragter Südkaukasus
Sprache: Englisch/Deutsch (mit Übersetzung durch die ModeratorInnen)

Anmeldung
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