Die Batterie - Knackpunkt der E-Mobilität
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Fokus Elektromobilität

Die Batterie - Knackpunkt der E-Mobilität

Elektromobilität und Rohstoffe

Ohne massiven Ausbau der Elektromobilität ist die Abkehr von fossilen Energien und eine klimaverträglichere Verkehrsentwicklung kaum zu erreichen. Im Zentrum steht dabei der Akku, der die Energie für den Betrieb der Elektrofahrzeuge speichert.

Die Herstellung dieser Batterien erfordert jedoch selbst viel Energie und verursacht ökologische und soziale Schäden, die nicht ausgeblendet werden dürfen. Die UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sowie die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen halten fest, dass sich die Sorgfaltspflicht von global tätigen Konzernen über die gesamte Wertschöpfungskette erstreckt. Dies gilt auch für Akku- und Fahrzeughersteller. Die grössten sozialen und ökologischen Risiken bestehen dabei am Anfang der Lieferketten, bei der Rohstoffförderung. Mit dem steigenden Bedarf an Batterierohstoffen für die Elektromobilität nehmen diese massiv zu.

Zahlen und Fakten

Elektrofahrzeugbatterien unter der Lupe

Im September 2020 haben Brot für alle, Fastenopfer und der Verkehrs-Club der Schweiz VCS eine Studie zur Geschäftspolitik der sechs grössten internationalen Hersteller von Elektrofahrzeugbatterien aus China, Südkorea und Japan veröffentlicht. Ebenfalls unter die Lupe genommen wurde der Schweizer Technologiekonzern ABB. Analysiert wurden firmeneigene Daten aus den Nachhaltigkeits- und Corporate Social Responsibility-Berichten zum Umgang der Unternehmen mit Umwelt- und Menschenrechtsfragen, insbesondere in ihren Lieferketten.

Die Ergebnisse lauten zusammengefasst: Es gibt einen Mangel an Transparenz in den Lieferketten der Batteriehersteller, erhebliche Risiken bei der Rohstoffförderung, und eine ungenügende Wiederverwertung der Batterien und ihrer einzelnen Rohstoffe.

In der Gesamtbewertung schneidet der südkoreanische Hersteller Samsung SDI am besten ab, während just der chinesische Weltmarktführer CATL auf dem Schlussrang landet – vor allem aufgrund mangelnder Transparenz. Die Rückverfolgbarkeit der Lieferketten weist jedoch bei allen Herstellern erhebliche Mängel auf. So fehlen praktisch überall Angaben zu den Minen, aus denen die Rohstoffe stammen.

Ausserdem beschränken die Unternehmen ihre Sorgfaltspflicht auf sogenannte Konfliktmineralien und auf Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo, das wegen verbreiteter Kinderarbeit in den Minen als problematisch gilt. Andere Rohstoffe wie etwa Lithium oder Nickel, deren Abbau ebenfalls gravierende soziale und ökologische Schäden verursacht, werden weitgehend ausgeblendet.

Beim Umweltmanagement liegt der Fokus der Batteriehersteller auf den CO2-Werten. Dabei haben nur drei der sieben untersuchten Unternehmen ihre Emissionsziele auf die Forderungen des Pariser Klimaabkommens abgestimmt.

Das fordert HEKS

Sorgfaltspflicht: Batteriehersteller müssen ihre Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette und für alle verwendeten Rohstoffe wahrnehmen. Entscheidend sind dabei mehr Transparenz in Bezug auf die Herkunft der Rohstoffe, die Arbeitsbedingungen in den entsprechenden Minen und die sozialen und Umweltfolgen in deren Umfeld.

Öffentliche Beschaffer: Öffentliche Beschaffer sollen dank ihrer Kaufkraft und entsprechend ihrer Vorbildrolle Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Herstellungsbedingungen einfordern, indem sie basierend auf dem revidierten öffentlichen Bundesbeschaffungsgesetz auch beim Kauf von Elektrofahrzeugen entsprechende Kriterien anwenden.

Investoren: Die Anlagestrategie von Investoren in «grüne» Energietechnologien ist fragwürdig, solange die sozialen und Umweltrisiken beim Rohstoffabbau nicht mitberücksichtigt werden.

Recycling: Verbesserungsmöglichkeiten bestehen gleichzeitig im Ausbau des Recyclings. Die Politik muss entsprechende Innovationen fördern sowie Anreize und Regulationen schaffen, damit Batterien möglichst lange genutzt und anschliessend möglichst vollständig wiederverwertet werden. Recycling vermindert den Bedarf an ständig neu geförderten Rohstoffen, und die damit einhergehenden sozialen und Umweltschäden.

Alternatives Mobilitätsverhalten: Unter dem Strich ist die Ökobilanz von Elektrofahrzeugen zwar besser als jene von Fahrzeugen, die mit fossiler Energie betrieben werden. Um den Rohstoffbedarf zu begrenzen, ist jedoch gleichzeitig eine Reduktion des Fahrzeugbestands notwendig. Dazu muss sich unser Mobilitätsverhalten ändern, etwa durch den vermehrten Umstieg auf den öffentlichen Verkehr sowie die Förderung von Carpooling und Veloverkehr.
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Karin Mader
Wirtschaft & Menschenrechte (Elektromobilität, Elektronik)
Tel.: +41 31 380 65 82
E-Mail: karin.mader@heks.ch