Fachstellen für qualifizierte MigrantInnen aus Drittstaaten
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Hochqualifiziert, aber ohne Job

Beitrag von Bettina Filacanavo (handeln 03/17)

Persönliche Beratung für qualifizierte MigrantInnen

Die Fachstelle «HEKS MosaiQ Ostschweiz» bietet gut ausgebildeten MigrantInnen aus Drittstaaten eine persönliche und individuelle Beratung und Begleitung an, mit dem Ziel, dass deren berufliches Potenzial in der Schweiz anerkannt und genutzt wird.

Die Fachstelle «HEKS MosaiQ Ostschweiz» bietet für gute qualifizierte MigrantInnen persönliche Laufbahnberatung und Begleitung in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden, St. Gallen und Thurgau. Zielgruppe des Angebotes sind MigrantInnen aus Drittstaaten (ausserhalb des EU/EFTA-Raumes), die einen Hochschul- bzw. Fachhochschulabschluss haben, eine Berufsausbildung oder Matura im Herkunftsland bzw. in einem Drittstaat absolviert haben oder über langjährige Berufserfahrung in ihrem Herkunftsland verfügen. Das Angebot richtet sich darüber hinaus an anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene (mit Bewilligung B und F) sowie an Personen, die durch Familiennachzug in die Schweiz gekommen sind.

Jelena Milošević leitet die Fachstelle. Sie berät und begleitet qualifizierte MigrantInnen in den Bereichen Diplomanerkennung und Nachholbildung, bei der Anerkennung von Bildungsleistungen und bei der Suche nach einem geeigneten Praktikum oder nach dem geeigneten Studiengang. Zwanzig Personen sind aktuell bei ihr in der Begleitung. Die Hälfte davon sind Flüchtlinge – die meisten AkademikerInnen aus Syrien.

In einem kostenlosen Erstgespräch macht Jelena Milošević eine Situationsanalyse und entscheidet dann, ob die Person bei ihr am richtigen Ort ist. Wird die Person ins Projekt aufgenommen, wird gemeinsam an der Entwicklung einer Perspektive gearbeitet. Denn auf dem Weg zur Arbeitsintegration gibt es viele Hürden: «Die grösste Hürde ist häufig die Sprache», sagt Jelena Milošević. Um einen qualifizierten Job ausüben zu können, müssen die Stellensuchenden laut der Projektleiterin mindestens das Niveau B2 in Deutsch erreichen. «Viele kommen zu mir, weil sie die weiterführenden Sprachkurse nicht finanzieren können», sagt sie.

Ein weiterer Knackpunkt sei auch die Anerkennung von Diplomen und Bildungsleistungen, sagt Jelena Milošević:

HEKS MosaiQ Ostschweiz - Reportage "Hochqualifiziert aber ohne Job"
Sabine Buri

Die Arbeitgeber wollen wissen, was ein ausländisches Diplom wert ist oder ob eine Berufsausbildung mit einer hiesigen Ausbildung vergleichbar ist.

Allerdings existiert keine allgemeine Stelle für Zulassungs- bzw. Anerkennungsfragen. Je nach Vorbildung und Beruf sind andere Kontaktstellen zuständig. «Das ist meistens ein umständliches Verfahren.»

Auch über das schweizerische Bildungssystem sind MigrantInnen häufig schlecht informiert. Denn in der Schweiz führen viele Wege zu einer qualifizierten Tätigkeit. So konnte sich ein angehender Bauingenieur aus Syrien, der sein Studium in Damaskus abbrechen musste, mit Hilfe von «HEKS MosaiQ» einen Studienplatz an einer Fachhochschule sichern. «Seine guten Deutschkenntnisse, von der Fachhochschule anerkannte Arbeitserfahrungen in Syrien sowie Gespräche mit dem Studienleiter haben letztlich den Studienplatz ermöglicht», sagt Jelena Milošević. Für die Finanzierung hätten sie Stipendien beantragt.

Mit der Bürokratie sind auch Arbeitgeber häufig überfordert. Darum berät Jelena Milošević Firmen, die Ausbildungs- oder Praktikumsplätze zur Verfügung stellen möchten. Zum Beispiel brauchen Flüchtlinge mit Bewilligung F und B bereits für ein Praktikum eine kantonale Arbeitsbewilligung. Auch hier bietet Jelena Milošević Hand und unterstützt die Firmen, damit die MigrantInnen diese Chance packen können.

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