HEKS-Geschichte

Seit mehr als 70 Jahren setzt sich HEKS für notleidende und benachteiligte Menschen ein. Aus der «Evangelischen kirchlichen Hilfs- und Wiederaufbauarbeit» im Nachkriegseuropa ist ein weltweites Engagement für eine menschlichere und gerechtere Welt geworden – und aus HEKS ein professionelles Hilfswerk, das mit seinen Projekten über eine Million Menschen unterstützt.

1944–1954

Zwischenkirchliche Wiederaufbauhilfe

Der Kirchenbund lanciert eine Hilfsaktion für die protestantischen Kirchen im kriegsversehrten Europa und verteilt 3150 Tonnen Lebensmittel, Kleider und Bücher im Gesamtwert von 5,5 Millionen Franken. 1946 wird der Verein HEKS beziehungsweise EPER gegründet. Während des Kalten Krieges unterstützt HEKS Kirchgemeinden in Osteuropa bei ihrer kirchlichen und diakonischen Arbeit und initiiert erste Gemeindepartnerschaften. 1949 übernimmt HEKS die «Evangelische Flüchtlingshilfe» in der Schweiz.
HEKS-Geschichte 1944-1954
Otto Stork

1954–1960

Beginn der internationalen Entwicklungshilfe

Die Kolonialstaaten in Afrika und Asien erkämpfen sich ihre politische Unabhängigkeit. HEKS weitet sein Engagement auf diese Kontinente aus und leistet Überlebenshilfe in Algerien, sendet Kleiderspenden nach Iran und Jordanien, spendet Bücher und Stipendien für Studierende in Asien. Mit Kollekten der Landeskirchen startet das erste Entwicklungsprojekt in Südindien: eine Lehrwerkstätte für industrielle Facharbeiter. Und in der Demokratischen Republik Kongo beteiligt sich HEKS am Aufbau des Schulwesens.

HEKS-Geschichte 1954-1960
Samuel Andres

1961–1969

Grosse Hilfsaktionen

Die Kirchen und Hilfswerke in der Schweiz sammeln mit der Aktion «Brot für Brüder» innerhalb von zwei Jahren 15,7 Millionen Franken für Entwicklungshilfe-Projekte von HEKS und der evangelischen Missionen. Zudem führen Reformierte und Katholiken erstmals eine gemeinsame Hilfsaktion für die Opfer des Biafra-Krieges durch («Joint Church Aid»). Und mit der Unterstützung des «Delta Ministry»-Projekts im US-Staat Mississippi setzt HEKS ein Zeichen für die Gleichberechtigung der AfroamerikanerInnen in den USA.

HEKS Geschichte 1961-1969
HEKS Archiv

1970–1979

Katastrophenhilfe und Entwicklungspolitik

HEKS stellt sich an die Seite der rassistisch und durch die Apartheid unterdrückten Bevölkerungsgruppen in Angola, Simbabwe und Südafrika. Nach Hochwasserkatastrophen in Nordafrika und Osteuropa, Erdbeben in der Türkei und Peru sowie einer Sturmflut in Pakistan baut HEKS einen eigenen Katastrophendienst auf. Nach dem Vietnamkrieg leistet HEKS nach Jahren der Nothilfe auch Wiederaufbauarbeit. Zudem werden Beziehungen zu Hilfswerken, Menschenrechtsgruppen und Basisbewegungen ausgeweitet und so die Entwicklungsarbeit gefördert.

HEKS Geschichte 1970-1979
HEKS Archiv

1980–1989

Verstärktes Engagement für Flüchtlinge in der Schweiz

Anhaltende Flüchtlingszuwanderungen lassen den Flüchtlingsdienst von HEKS zur grössten Abteilung anwachsen. HEKS eröffnet die ersten Rechtsberatungsstellen für Asylsuchende in der Schweiz. 1980 findet erstmals der «Tag des Flüchtlings» statt. Weltweit unterstützt HEKS Programme für Flüchtlinge und Vertriebene im südlichen Afrika, in Afghanistan, Eritrea, Äthiopien, Libanon, EI Salvador, Guatemala, Mexiko und auf den Philippinen. 1988 lanciert HEKS den jährlich stattfindenden Osteuropa-Tag.
HEKS Geschichte 1980-1989
HEKS Archiv

1990–1996

Wende in Osteuropa, Ende der Apartheid in Südafrika und Balkankrieg

Nach dem Kalten Krieg entstehen in Osteuropa kirchliche Hilfswerke. Während und nach dem Balkankrieg wendet HEKS für Kriegsopfer sechzig Millionen Franken auf. Auch nach dem Genozid in Ruanda leistet HEKS Nothilfe. Zudem koordiniert HEKS die internationale kirchliche Wahlbeobachtung in Südafrika und in Mosambik. In Lateinamerika unterstützt HEKS die Agrarreform und setzt sich für Landlose ein. Und in der Schweiz baut HEKS Projekte zur Wohnungsvermittlung und zur Integration von Arbeitslosen auf.
HEKS Geschichte 1990-1996
HEKS Archiv

1997–2007

Nothilfe und Neuausrichtung der Inlandarbeit

Immer häufiger leistet HEKS nach Naturkatastrophen und in bewaffneten Konflikten Nothilfe. Insbesondere 2005 ist ein Jahr der Katastrophen: HEKS leistet Nothilfe nach dem Tsunami in Asien und nach Unwetterkatastrophen in Rumänien, Südmexiko, Guatemala, Kaschmir, Niger und im Sudan. In der Schweiz verliert HEKS das Bundesmandat für die Flüchtlingsbetreuung und weitet sein Engagement auf die Migrationsbevölkerung aus. 2004 wird der Verein HEKS in eine Stiftung umgewandelt.

HEKS Geschichte 1997-2007
Annette Boutellier

2008–2012

Thematische Konzentration

HEKS fokussiert seine thematischen Schwerpunkte in der Projektarbeit. Im Ausland konzentriert sich HEKS auf die Bereiche Entwicklung ländlicher Gemeinschaften, Konfliktbearbeitung, Humanitäre Hilfe sowie Kirchliche Zusammenarbeit, im Inland auf soziale Integration und Anwaltschaft für sozial Benachteiligte. HEKS setzt den Kampf um Landrechte ins Zentrum seiner Sammelkampagne «Im Kleinen Grosses bewirken». Die 2008 lancierte Weihnachtsaktion «Hilfe schenken» wird zu einem bis heute anhaltenden Erfolg.

HEKS Geschichte 2008-2012
Toni Bernet

2013–2018

Ein professionelles kirchliches Hilfswerk

HEKS baut seine Fachkompetenz als kirchliches Hilfswerk, das sich auf der Basis christlicher Werte und der Menschenrechte für benachteiligte Menschen einsetzt, weiter aus und entwickelt sich hinsichtlich Controlling und Wirkungsmessung, aber auch hinsichtlich Nachhaltigkeit und Transparenz weiter. HEKS unterstützt jährlich über eine Million Menschen – in der Schweiz und weltweit. In der Entwicklungszusammenarbeit setzte HEKS seine langfristigen Projekte zur Armutsbekämpfung und Ernährungssicherung von Kleinbauernfamilien und benachteiligten Menschen fort. In der Inlandarbeit gewinnt das strategische Schwerpunktthema «Zuflucht» zunehmend an Bedeutung.

2018 feierte HEKS mit seiner Advocacy-Arbeit zwei grosse Erfolge: Die UNO verabschiedete eine Deklaration zum Schutz der Rechte von ländlichen Gemeinschaften auf Land und natürliche Ressourcen, an der HEKS seit Jahren mitgewirkt hatte. Und in Bangladesch verabschiedete der von HEKS organisierte «Nationale Kongress zu den Rechten von Dalit und Adibashi» eine Deklaration zur Stärkung der politischen und kulturellen Rechte dieser diskriminierten indigenen Gemeinschaften. Auch in der Schweiz setzte sich HEKS dafür ein, die Folgen der andauernden Flüchtlingskrise zumindest ein wenig zu mildern. Mit der Petition «Für sichere und legale Fluchtwege in die Schweiz» forderten HEKS und die Schweizerische Flüchtlingshilfe sowie über 38'000 Unterzeichnende den Bundesrat auf, mehr besonders verletzlichen Flüchtlingen Zuflucht in der Schweiz zu gewähren.

Allerdings blieben 2018 die Erträge in der Humanitären Hilfe und in der Entwicklungszusammenarbeit hinter den Erwartungen zurück und der Aufwand musste teilweise aus Mitteln der Projektfonds gedeckt werden. Dies veranlasste HEKS, auf gewisse Projekte zu verzichten und die Kosten bei der Programmbegleitung und Verwaltung zu reduzieren. Das Jahr 2019 wie auch 2020 stehen für HEKS deshalb im Zeichen der finanziellen Stabilisierung und der projektbezogenen Fokussierung. 2019 haben zudem die Stiftungsräte von HEKS und «Brot für alle» die Fusion der beiden Hilfswerke per Anfang 2021 beschlossen.

HEKS Geschichte 2013-2016
Christian Bobst