Glencore-Kupfermine in Kongo
Meinrad Schade
Glencore

Vom Segen zum Fluch

Glencore und die Menschenrechte

Die Minentätigkeiten von Glencore in der Demokratischen Republik Kongo haben in der Bevölkerung grosse Hoffnung geweckt. Heute herrschen angesichts von verseuchtem Wasser, dreckiger Luft und fehlenden Steuereinnahmen vor allem Ernüchterung und Frustration.

Vom Segen zum Fluch

Das Dorf Luilu liegt am gleichnamigen Fluss in der DR Kongo. Seit Jahren wird der Fluss massiv von den Abwässern der Bergbaukonzerne verschmutzt. Auch die Kamoto Copper Company (KCC), Tochterfirma des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore, ist mitverantwortlich dafür. Nachdem Brot für alle die Verschmutzung durch KCC im Jahr 2012 öffentlich gemacht hatte, versprach der Konzern Besserung und baute Rückhaltebecken. Trotzdem läuft immer wieder verseuchtes Wasser von der Mine in den Fluss, so erst kürzlich im Frühling 2021, wie ein Bericht unserer Partnerorganisation Afrewatch zeigt. 

Auch Glencore-Tochter Mutanda Mining macht den Menschen das Leben schwer: Sie hat eine Strasse, die durch ihr Konzessionsgebiet führt, kurzerhand für die Bevölkerung gesperrt. Diese muss nun zu Fuss einen Umweg von über 10 Kilometern auf sich nehmen, um Gemüse in der nächstgrösseren Ortschaft zu verkaufen. Die Dorfbewohner berichten zudem von verschmutztem Wasser und weniger Fischen im nahegelegenen Flussdelta.

 

Aufbau der Zivilgesellschaft

Zwar sind die Pflichten der Konzerne im neuen kongolesischen Bergbaugesetz geregelt. Doch diese halten sich wenig daran, und der Staat kontrolliert die Einhaltung nicht. Mit Unterstützung von HEKS versucht die lokale Zivilgesellschaft, sich gegen die Missstände zu wehren. Sie klärt die lokalen Gemeinschaften über ihre Rechte auf und zeigt ihnen, wie sie diese durchsetzen können. Und sie hilft den lokalen Dorfoberhäuptern, die komplizierten Verträge besser zu verstehen, die ihnen von Konzernjuristen zur Unterschrift vorgelegt werden. Schliesslich hilft HEKS dabei, die Kompetenzen der Zivilgesellschaft selber zu stärken – zum Beispiel durch Wissen zu möglichen Recherchemethoden sowie zum Verfassen von Berichten und Plädoyers.

Wassertragende Kinder im Kongo
Fotoreportage
Im Schatten des Kobaltbooms

Eine Reportage aus den Dörfern und Quartieren rund um die Minen des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore in der Demokratischen Republik Kongo
 

Zahlen und Fakten

Das tut HEKS

In der DR Kongo

Afrewatch, die Partnerorganisation von HEKS in der DR Kongo ist nicht per se gegen Minentätigkeiten. Ziel der Organisation ist es sicherzustellen, dass der Rohstoffabbau in einem gesetzlichen Rahmen geschieht und die Bevölkerung auch davon profitiert. Zu diesem Zweck bietet  Afrewatch Informations- und Weiterbildungsprogramme für die betroffenen Gemeinschaften an. Dabei können sie sich austauschen und erfahren mehr über Bergbaurechte und -vorschriften, die Verhinderung von Arbeitsunfällen oder Menschenrechte. Gleichzeitig lernen die Gemeinschaften, wie sie ihre Anliegen erfolgreich mit den Behörden und den Verantwortlichen der Minen diskutieren können. Auch Dokumentationstechniken werden vermittelt, damit sie Umweltverschmutzungen und Menschenrechtsverletzungen publik machen und Druck auf die Unternehmen aufbauen können. Die Menschenrechtsorganisation Centre d’action judico-judiciare (CAJJ), die HEKS ebenfalls unterstützt, setzt sich anwaltschaftlich für die Durchsetzung der Rechte der Minenarbeiter und Gemeinschaften ein.

In der Schweiz

Öffentlich und politisch Druck machen: In der Schweiz engagiert sich HEKS auf politischer Ebene für mehr Konzernverantwortung und eine verbindliche menschenrechtliche Sorgfaltsprüfung. Zudem veröffentlicht HESK regelmässig Berichte über die Auswirkungen der Geschäftstätigkeiten von Glencore in der DR Kongo, um die Öffentlichkeit und die Politik für die ökologischen und sozialen Folgen des Rohstoffabbaus zu sensibilisieren.

Das Bewusstsein der Konzerne erhöhen: HEKS legt die Recherchen und Berichte jeweils den betroffenen Konzernen vor, um sie dazu zu bringen, ihre Geschäftspraktiken zu verbessern.

Das haben wir bisher erreicht

Seit 2012 hat Glencore seine konzerninterne Unternehmensverantwortung etwas verbessert. Das Unternehmen veröffentlicht nun einen Nachhaltigkeitsbericht und hat seit Mai 2014 eine Menschenrechtspolitik.

Vor Ort jedoch, in der DR Kongo, sind nur wenige Fortschritte sichtbar. Das Unternehmen organisiert zwar Ferienlager für Kinder oder hat für die Gemeinschaften um die Tochterminen Brunnen gebaut. Doch wenn es um den Ausgleich der konkreten negativen Auswirkungen der Minentätigkeiten geht, gestalten sich die Diskussionen mit Glencore nach wie vor schwierig. Zwar kam es zu mehreren durch die Partnerorganisationen von HEKS vermittelten kleineren Zahlungen an Bauern, deren Land wegen den Glencore Tätigkeiten verschmutzt worden war. Auch wurden einzelne Personen nach einem schweren Unfall, der durch einen Glencore-Lieferanten verursacht worden war, unterstützt. Das Unternehmen verweigerte bisher aber in jedem Fall die Anerkennung einer direkten Verantwortung. Allfällige Zuwendungen an Betroffene wurden lediglich unter dem Titel der ‘humanitären Unterstützung’ gemacht.

Beim Luilu-Fluss sind neue Auffangbecken für das giftige Abwasser installiert worden, doch sie sind ungenügend.  Es kommt immer wieder zu Verschmutzungen, wie der jüngste Bericht unserer Partnerorganisation Afrewatch zeigt.

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