Stellungnahme vom 24. Februar 2024

Zwei Jahre Krieg in der Ukraine

Vor bald zwei Jahren haben russische Truppen die Ukraine überfallen. Seither sind Millionen Ukrainer:innen aus ihrer Heimat geflohen. In der Ukraine selbst tobt ein brutaler Krieg, der unsägliches Leid und massive Zerstörung über das Land gebracht hat. HEKS versucht seit Ausbruch des Krieges, dieses Leid zu lindern. Wir unterstützen geflüchtete Ukrainer:innen in der Schweiz und in den Nachbarländern der Ukraine und leisten humanitäre Hilfe in der Ukraine selbst.  
 

Währen eines humanitären Einsatzes unseres Teams im Südosten der Ukraine kam es Anfang Februar zu einem tragischen Zwischenfall: Bei einem Drohnenangriff auf zwei HEKS-Fahrzeuge kamen zwei unserer Mitarbeiter ums Leben, vier weitere wurden verletzt. Inzwischen sind die Umstände des tödlichen Angriffes untersucht worden. Die Untersuchung zeigt, dass es sich um einen gezielten Angriff handelte. HEKS hat sich vorübergehend von der Arbeit in schwer zugänglichen Gebieten zurückgezogen, führt aber seine humanitäre Hilfe in anderen Regionen der Ukraine weiter. Die französische und die ukrainische Regierung haben eine Untersuchung des Angriffs in Bezug auf Kriegsverbrechen eingeleitet.

Kharkiv food distribution
Andràs D. Hajdù

Nothilfe in der Ukraine

HEKS war bereits vor dem Krieg in der Ukraine tätig. Seit Ausbruch des Krieges hat HEKS seine Arbeit fortlaufend dort verstärkt, wo nur wenige NGOs tätig sind: Sei es in Transkarpatien, der ärmsten Region, in der viele Vertriebene leben, oder in den Tunnels der Metro von Odessa, die zu Zufluchtsorten geworden sind. Um auch in den entlegensten und unzugänglichsten Konfliktgebieten tätig sein zu können, greift HEKS auf seine Erfahrungen aus anderen Konfliktgebieten wie dem Kongo zurück.

Ziel dieses Einsatzes war es, die Grundbedürfnisse der im Kriegsgebiet verbliebenen Menschen zu decken. 80 bis 85 Prozent von ihnen sind ältere Menschen, die bettlägerig sind, sich nicht fortbewegen können oder kranke Angehörige pflegen. Hinzu kommen Evakuierte, die sich für eine Rückkehr entscheiden, weil sie keine Ersparnisse mehr haben und sich vorstellen können, in ihrem Haus mit einem Stück Land und ein paar Hühnern zu überleben. Was sie vor Ort erwartet, ist hart: Die Häuser sind stark zerstört. Meist leben mehrere Personen in einem Raum oder in einem Keller.

Ukraine disabled people
Andràs D. Hajdú

Baumaterial und Winterhilfe

Während der Wintermonate verteilte HEKS in den Oblasten Donezk, Mykolajiw und Kherson Güter für den Winter (Öfen, Brennstoff, Schlafsäcke usw.) an 8'074 Betroffene. In der Südukraine wurden zudem Notfallsets für die Reparatur von 1'179 Häusern verteilt. In der Westukraine, in Transkarpatien und Czernowitz, unterstützte HEKS 2'000 intern Vertriebene und die aufnehmenden Gemeinden. Zusammen mit seinen langjährigen Partnerorganisationen unterstützt HEKS auch Geflüchtete in den Nachbarländern Rumänien, der Republik Moldau und Ungarn und erreicht dort insgesamt 327'288 Menschen.  

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Andràs D. Hajdù

Unterstützung für Geflüchtete in der Schweiz

Seit Beginn des Krieges sind rund 84’000 Menschen aus der Ukraine in die Schweiz geflüchtet. Im ersten Jahr vermittelte HEKS in den Regionen Ostschweiz und Basel über 2’000 Personen eine Unterkunft bei Privatpersonen. Die private Unterbringung hat die Kantone und Gemeinden logistisch stark entlastet und die soziale Integration der Geflüchteten erleichtert. Doch je länger der Krieg in der Ukraine andauert, desto mehr verlagert sich der Fokus der hierher geflüchteten Ukrainer:innen von den akuten Themen Schutz und Unterkunft hin zum Bedürfnis nach Zukunftsperspektiven, sozialer Zugehörigkeit und der Wiederaufnahme einer Arbeit oder Ausbildung. 

HEKS unterstützt Geflüchtete aus der Ukraine mit verschiedenen Angeboten bei ihrer sozialen und beruflichen Integration. In den HEKS-Sprachkursen beispielsweise lernen ukrainische Kinder und Erwachsene in der ganzen Schweiz nicht nur Deutsch und Französisch, sondern erhalten auch nützliche Informationen über das Leben in der Schweiz. 

«HEKS MosaiQ» berät qualifizierte Migrant:innen schweizweit bei ihrer persönlichen Standortbestimmung, unterstützt sie bei der Anerkennung von Diplomen und plant mit ihnen gemeinsam die nächsten Schritte auf dem Weg zur beruflichen Integration. Im Jahr 2023 befanden sich 402 Personen in der Beratung, davon 242 Personen aus der Ukraine. Ziel ist, dass gut qualifizierte Ukrainer:innen in der Schweiz eine Arbeit oder berufliche Perspektive finden, die ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht. Leider hat sich in den Beratungsstellen gezeigt, dass es für Ukrainer:innen mit Status S schwierig ist, eine Stelle zu finden, da Arbeitgeber:innen nicht in eine Mitarbeiterin investieren wollen, die ihren Status rasch wieder verlieren könnte. 

MosaiQ Bern Beratung
Nik Hunger

Status S nur befristet

Im Gegensatz zu anderen Geflüchteten in der Schweiz erhielten die Ukrainer:innen sehr unkompliziert den Status S, der in dieser Form erstmals angewendet wurde. Ihre Aufnahme erfolgte rasch, ohne Asylverfahren und bis der Schutzbedarf wegfällt. Es handelt sich um eine befristete humanitäre Aufnahme. Die Dauer des Schutzstatus S beträgt in der Regel ein Jahr. Der Schutzstatus ist aber rückkehrorientiert und damit nicht auf einen dauerhaften Aufenthalt in der Schweiz angelegt. Der Krieg in der Ukraine wird jedoch länger dauern als ursprünglich angenommen. Die Geflüchteten brauchen deshalb trotz des vorübergehenden Schutzes eine Zukunftsperspektive. Um die Integration von Frauen zu verbessern, muss das Kinderbetreuungsangebot ausgebaut werden. Dieser Ausbau fördert auch die Möglichkeit der wirtschaftlichen Teilhabe der ukrainischen Familien.

Der Schutzstaus stellt jedoch auch eine Ungleichbehandlung her zwischen Geflüchteten aus der Ukraine und Geflüchteten aus anderen Kriegsgebieten. HEKS unterstützt die Forderung der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH, dass der Status S und die vorläufige Aufnahme durch einen humanitären Schutzstatus mit denselben Rechten wie für anerkannte Flüchtlinge ersetzt werden. 

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